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Muslime erkennen doch Jesus als Propheten an. Warum erkennen so viele Christen Muhammad nicht ebenfalls als Propheten an?
Ich höre diese Frage häufig, oft auch als Viorwurf: Muslime erkennen Jesus als Propheten an, aber Christen weigern sich, Muhammad als Propheten anzuerkennen!
Natürlich können Christen anerkennen, daß Muhammad ein Prophet war - die meisten können allerdings nicht anerkennen, daß er ein echter Prophet desselben Gottes war, an den auch die Christen glauben. Ausnahmen bestätigen die Regel - und die Vertreter solcher Ausnahmen gehen oft stillschweigend davon aus, daß die islamische Darstellung Muhammads einer Reformierung bedürfe, die zu einem "christlichen Muhammad" führt.
Sehen wir uns im Folgenden die beiden Gründe an, warum Christen nicht an Muhammad glauben können, wie die Muslime es tun.
Die islamische Sicht des Propheten Jesus
Aus christlicher Sicht ist die Darstellung des Propheten Jesus - 'Isa ibn Maryam - im Islam eine stark abweichende Darstellung, die weder mit der christlichen Sichtweise auf Jesus als Propheten noch auf Jesus im Allgemeinen auch nur annähernd übereinstimmt. Christen können diese Sichtweise nicht übernehmen. Muslimen ist es sicherlich ebenfalls nicht möglich, die christliche Sichtweise zu übernehmen.
Wenn Muslime Christen gegenüber betonen, daß sie ja auch an Jesus glauben, so ist deutlich zu machen, daß sie anders an Jesus glauben als die Christen. Wenn aber auf der muslimische Feststellung, daß sie an Jesus glauben, die Forderung folgt, die Christen sollten ihrerseits an Muhammad glauben, dann bleibt offen, ob die Christen denn so an Muhammad glauben sollten, wie es die Muslime tun (was Christen nicht tun können) - oder ob die Christen (analog zur abweichenden Darstellung Jesu im islam) auch in der Darstellung Muhammads von der muslimischen Sichtweise abweichen sollen, also zu einer christlichen Darstellung gelangen sollen, die sich von der islamischen Sichtweise unterscheidet (also ein "christlicher Muhammad"). Das allerdings kann für den Dialog nicht förderlich sein.
Halten wir also fest, daß die Forderung, die Christen sollten so an Muhammad glauben, wie die Muslime an Jesus glauben, in eine Sackgasse führt, weil sich der Glaube an Jesus bei Muslimen und Christen stark unterscheidet.
Auch eine "Christianisierung" Muhammads wäre eine Sackgasse, weil sie die Muslime nicht ernst nimmt.
Muhammad im Islam - Jesus im Christentum
Ein anderer Aspekt betrifft die Tatsache, daß die Stellung Muhammads im Islam eine ganz andere ist als die Stellung Jesu im Christentum.
Die Stellung, die Muhammad im Islam hat, würde im Christentum eher der Stellung entsprechen, die Apostel wie Paulus, Petrus, Johannes, Jakobus und andere haben.
Andererseits würde die Stellung, die Jesus im Christentum hat, eher der Stellung entsprechen, die der Koran, das Wort Gottes, im Islam hat - oderauch der Stellung, die Gott im Islam hat; denn Christen sehen in Jesus ja nicht nur einen Propheten, sondern Gott selbst.
Wir bekommen die beiden Glaubensstandpunkte "Muhammad im Islam" und "Jesus im Christentum" also nicht auf eine Höhe. Damit die Christen an Muhammad glauben, müßten die Muslime an Paulus, Petrus und die anderen Apostel Jesu Christi glauben. Nur dann befänden sich beide Seiten auf einer Höhe. Und auch dann müßte man sich erst noch einigen, welches Verständnis dem jeweiligen Glauben zugrunde liegen sollte.
Auch hier müssen wir also festhalten, daß die Forderung, die Christen sollten an Muhammad glauben, weil die Muslime ja an Jesus glauben, in eine Sackgasse führt.
Muhammad ein Prophet?
Christen können also nicht an Muhammad glauben, weil sie entweder ein eigenes Muhammad-Bild entwickeln müßten, das sich von dem der Muslime erheblich unterscheidet, oder weil sie in Muhammad ausdrücklich einen falschen Propheten oder den eines anderen Gottes sehen müßten.
Beides wäre für das Zusammenleben von Christen und Muslimen, wie man sich leicht denken kann, nicht sehr förderlich.
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