Was verstehen Christen unter der Trinität? Glauben sie nun an einen Gott oder an drei Götter?

Theologen antworten auf die Frage nach der Dreieinigkeit bzw. Dreifaltigkeit oft mit dem Sinnspruch "die Lehre von der Dreifaltigkeit ist die Warnung der Kirchenväter, einfältig über Gott zu denken".

Wer über die Trinität bzw. Dreieinigkeit nachdenkt, darf dabei nicht vergessen, daß Begriffe wie "Person" oder "Wesen", mit denen in der Theologie über dieses Thema gesprochen wird (una substantia, tres personae - ein Wesen, drei Personen), heute anders verstanden werden als zu den Zeiten, da diese Lehren entwickelt wurden. Auch die damals entschieden abgelehnte Lehre vom Modalismus (ein Gott, der sich in drei Modi bzw. Erscheinungen manifestiert) beruht auf Begriffen und Definitionen, die heute so nicht mehr gültig sind.

Als die ersten Christen die Schriften des Neuen Testamentes verfaßten, war ihnen die Vorstellung eines Gottes, dessen Wesen sich in drei Personen manifestiert, bei weitem nicht so fremd wie heute; in ihrer Welt war die Vorstellung von Personen als Individuen eine andere als bei uns. Wo die Lehre, daß Gott und Jesus zwei Personen einer Gottheit bilden, abgelehnt wurde, geschah das eher nicht, weil man sich diese Verbindung von zwei Personen zu einem Wesen nicht vorstellen konnte, sondern weil Jesus für manche Leute nicht in diese an und für sich nicht abwegige Vorstellung paßte.

Einige Zeit später änderte sich der Blick der Menschen auf solche Vorstellungen, die einzelne Person wurde mehr und mehr als Individuum begriffen, das von anderen getrennt ist. In dieser Zeit mußten die Theologen die Sprache und Vorstellungswelt der Autoren des Neuen Testamentes neu übersetzen, und so entstand die Lehre von der Trinität. Sie ist also in gewisser Weise eine Übersetzung, die Übertragung eines alten Gedanken in die Sprache einer neueren Zeit - die mittlerweile freilich auch wieder veraltet ist. Theologen müssen darum immer wieder nach Wegen suchen, diese alte Lehre in die Sprache heutiger Menschen zu übersetzen - einerseits so, daß man den alten Vorstellungen treu bleibt, andererseits aber so, daß moderne Zuhörer es verstehen können. Beides unter einen Hut zu bekommen, sinntreu zu übersetzen, ist nun gar nicht so einfach.

Wichtig ist nun auf jeden Fall, daß Christen, die von der Trinität sprechen, an einen Gott glauben. Heute spricht man oft davon, daß Gott sich in drei Verwirklichungsgestalten ("Hypostasen") manifestiert, man unterscheidet nicht die Personen, sondern die Wirkungsweisen. Gott-Vater wirkt voller Liebe, Jesus, der Sohn, wirkt voller Gnade und Barmherzigkeit und der Heilige Geist wirkt so, daß die Menschen zueinander finden, eine Gemeinschaft bilden, miteinander leben können (siehe 2. Korinther 13,13 ).

Bilder und Gleichnisse hinken natürlich immer, können aber dennoch hilfreich sein. Nehmen wir einmal das Wasser als ein Bild. Wasser kennen wir sowohl als "Wasser", dann meinen wir flüssiges Wasser. Wasser existiert aber auch in festem Zustand (Eis) und in gasförmigem Zustand (Dampf). Chemisch ist es immer identisch, egal ob nun fest, flüssig oder gasförmig. Doch je nach Zustand kann man mit ein und demselben Wasser verschiedene Wirkungen erzielen - und niemand würde je annehmen, daß diese "Drei" nicht "Eins" sind, sozusagen eine "Trinität" bilden, eine "Dreifaltigkeit". Gerade beim Wasser sind einige Besonderheiten interessant: Unter gewissen Bedingungen können etwa alle drei "Verwirklichungsgestalten" - Eis, Wasser und Dampf - gleichzeitig existieren. Aber wie gesagt: Das ist ein Bild, ein Gleichnis, das hinkt. Es hilft aber zum Verständnis.

Andere Bilder sind etwa ein Feuer (das Licht, Wärme und Rauch bewirkt), die Zeit (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), die drei Dimensionen des Raumes (Länge, Breite, Tiefe) usw. Wir sind als Menschen - die wir ja aus Körper, Seele und Geist zu einem Gebilde "zusammengefaltet" sind - eingewoben in eine Welt, in der es vor "Dreieinigkeiten" geradezu wimmelt. Überall in der Natur finden sich "Dreieinigkeiten", die uns ganz und gar selbstverständlich erscheinen, die uns, bei allem Hinken, hilfreich sein können, das Wesen der Dreieinigkeit zumindest in Grundzügen zu verstehen.

Die Dreieinigkeitslehre wird oftmals so verstanden, als ginge es dabei vor allem um die Beziehung zwischen den drei Personen bzw. Verwirklichungsgestalten der Trinität, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Eigentlich geht es aber in erster Linie um die Beschreibung der Beziehung Gottes zu uns. Menschen erleben, erfahren Gott als liebenden Vater, als barmherzigen Herrn und als Gemeinschaft stiftenden Geist.

Wir lernen aber aus der Lehre von der Trinität auch, daß der Mensch ohne Gemeinschaft nicht leben kann: Wenn Gott seit jeher Gemeinschaft in sich selbst hat, dann können wir Menschen nicht ohne Gemeinschaft leben. Dann sind wir darauf angewiesen, daß Liebe, Barmherzigkeit und Gemeinschaft unser Dasein prägen. Dabei sollen wir, soweit es uns möglich ist, mit allen Menschen in guter Gemeinschaft leben, sollen wir einander helfen, voneinander lernen und miteinander feiern. Die Theologen nennen das "Konvivenz", und sie hat ihr Fundament in der Dreieinigkeit Gottes. Diese Lehre will uns also eine Hilfe, ein Wegweiser für unser Miteinander sein. Wir sollen nicht nur an die Trinität glauben, sondern in der Trinität leben, nicht einfältig miteinander umgehen, sondern die Vielfalt schätzen lernen.

Die Lehre von der Dreifaltigkeit will also, und damit schließt sich der Kreis, verhindern, daß wir einfältig übereinander denken, sondern daß wir die Vielfalt schätzen.

Die Lehre von der Dreifaltigkeit ist uns Menschen letzten Endes unzugänglich. Sie überfordert unser Vorstellungsvermögen, unseren Verstand.

Sie stellt uns einen Gott vor, von dem wir uns kein Bild machen können, ein Gott, der größer ist als alle unsere Vernunft.

Sie verhindert damit, daß wir versuchen, uns ein allzu einfältiges Bild von Gott zu machen, das Bild eines ins Gigantische übersteigerten Menschen etwa, der aber eben immer noch Mensch ist, von dem wir immer noch in menschlichen Kategorien denken.

Die Dreifaltigkeitslehre durchbricht diese Kategorien immer wieder und macht es uns unmöglich, uns ein Bild von Gott zu machen.

Sobald wir etwa das Bild "Vater" (alter Mann mit Bart, allmächtig, allwissend, Alleinherrscher...) denken, stoßen wir auf das damit nicht vereinbare Bild "Sohn" - und sind gezwungen, den Zeichenstift zur Seite zu legen; denn: "Du sollst dir kein Bildnis machen" ( 2. Mose 20,4 ).