Ist Karneval ein christliches Fest?

Nein.

Es lehnt sich zwar gerade mit seinem Ende am Vorabend des Beginns der Fastenzeit (der so genannten Fastnacht) an die kirchlichen Festzeiten an, ist aber selbst kein kirchliches Fest.

Im Mittelalter griff die kirchliche Verkündigung am Aschermittwoch (dem Tag nach der Fastnacht, dem ersten Tag der Fastenzeit) das Treiben im Karneval (und vor allem das früher oft ausufernde Treiben während der Fastnacht) als regelrecht „diabolischen” Gegenentwurf zum „Reich Gottes” auf.

Die mittelalterliche Kirche hat den Karneval geduldet, solange das karnevalistische Treiben tatsächlich am Aschermittwoch beendet war und die Menschen in die Kirchen zurückkehrten und den Aschermittwoch begingen: Mit Asche wurde ihnen als Ausdruck ihrer Buße (Umkehr) ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet, und als Zeichen ihrer Umkehr fasteten sie bis zum Osterfest.

Die damalige Kirche hat den Gegensatz zwischen dem Karneval und der Fastenzeit als lebensnahe Grundlage für belehrende Predigten verwendet. Das häufig ausartende Treiben gerade während der Fastnacht wurde zum Bild sowohl für die Vergänglichkeit allen diabolischen Treibens als auch des Menschen - während Gott am Ende siegreich bleibt und die Menschen zur Umkehr bewegt.

Die Reformation stellte die Fastenzeit grundsätzlich in Frage - und damit verlor in evangelischen Gebieten dann auch der Karneval seine Bedeutung. Erst in den 1990er Jahren konnte sich der Karneval auch in evangelischen Gebieten wieder etablieren und wird teilweise auch in evangelischen Kirchengemeinden gefeiert, ohne jedoch tatsächlich eines kirchliches Fest zu sein. Eher selten findet man Karnevalsfeiern bis heute in evangelikalen bzw. freikirchlichen Gemeinden.