Wie gehen Christen mit Bildern, Fotos usw. um? Gibt es ein Bilderverbot im Christentum?

Das Christentum kennt durchaus Bilderverbote in Geschichte und - allerdings weitaus seltener - Gegenwart, so etwa in bestimmten Abschnitten der Ostkirche (Byzanz), vor allem auch bei reformierten Christen in verschiedenen Abstufungen.

Grundlage ist das Gebot Gottes, keine Götterbilder oder Abbilder zu machen ( 2. Mose 20,3-6 ; 5. Mose 5,7-10 ).

"Götterbild" ist hebr. päsäl, wörtlich übersetzt "Götzenbild" oder "Götze". Es meint aus Metall, Stein oder Holz hergestellte Darstellungen eines Gottes bzw. Götzen. Hätte es damals schon Fotografien gegeben, wären diese wohl auch gemeint gewesen.

"Abbild" ist hebr. temunah, wörtlich "Gestalt" oder "Erscheinung". Im Zusammenhang der o.g. Bibelverse handelt es sich um künstlerische Abbildungen von Geistwesen, Engelwesen, Dämonen usw. Auch hier wird man Fotografien mit einbeziehen müssen.

Das Verbot steht nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem Verbot der Verehrung anderer Götter oder übernatürliche Wesen und umfaßt nicht nur die Anfertigung solcher Bildnisse, sondern auch, vor ihnen niederzufallen oder ihnen zu dienen.

Man kann daraus schließen, daß sich das Verbot auf Bilder bezogen hat, die im Götzendienst bzw. bei der Verehrung fremnder Götter und Mächte Verwendung fanden, nicht auf künstlerische Darstellungen im Allgemeinen.

Erst ab dem dritten Jahrhundert haben wir Kenntnis davon, wie frühe Christen mit dem Thema Bilder umgingen, für die Zeit davor liegen keine Berichte vor.

Es war von Anfang an nicht einheitlich - manche Christen haben jede Form von Bildern abgelehnt, einige sogar jede Form der darstellenden Kunst, andere haben nur religiöse Darstellungen verboten, einige nur Darstellungen Jesu. Wieder andere haben die Darstellungen begrüßt, da sie es ermöglichten, auch ungebildeten Menschen die christlichen Erzähluingen nahebringen zu können.

Heute kann man sagen, daß es zwar nach wie Diskussionen um den Umgang mit Bildern gibt, aber die meisten Christen haben kein Problem mit bildlichen Darstellungen, solange sie nicht in einer Weise verehrt werden, die nur Gott allein zusteht.

Orthodoxe, katholische und lutherische Kirchen sind meist mit vielen Kunstwerken versehen - die nicht Gegenstand der Anbetung sind -, reformierte Kirchen sind hier eher schmuckloser. Ausnahmen bestätigen auf beiden Seiten die Regel.

Religiös begründete Verbote, Bilder, Fotos oder andere Abbildungen von Landschaften, Tieren, Menschen usw. anzufertigen, sind heute weithin unbekannt.

Etwas anderes sind natürlich pornografische Bilder - aber dies nicht aufgrund eines Bilderverbotes, sondern aus moralischen Erwägungen heraus. Auch aufgrund moralischer Erwägungen ist es abzulehnen, Bilder von Menschen anzufertigen, die darin nicht ausdrücklich einwilligen ("Recht am eigenen Bild"), wobei es egal ist, ob man den betreffenden Menschen identifizieren kann oder nicht und in welcher Situation das Bild entsteht.