In der Bibel heißt es, Gott habe Eva als "Gehilfin" für Adam geschaffen. Bedeutet das, daß die Frau weniger wert ist als der Mann und ihm nur zu dienen hat?

Bibelstelle: 1. Mose 2,18-20

Das hebräische Wort, das deutsche Bibeln mit "Gehilfin" oder "Hilfe" übersetzen, lautet 'esär: Hilfe, Beistand. Es ist abgeleitet von 'asar: Helfen, beistehen. Seiner Grundbedeutung ist gemeinsames Handeln. Es bedeutet, jemanden zu fördern, jemandem rettend beizustehen, mit jemandem verbündet sein. 'asar kann von Menschen ausgehen, aber auch von Gott.

Das im Hinblick auf die Erschaffung Evas verwendete 'esär wird in der Bibel vorwiegend für die Hilfe von Gott benutzt: 2. Mose 18,4 ; 5. Mose 33,7 ; 5. Mose 33,26 ; 5. Mose 33,29 ; Psalm 33,20 ; Psalm 70,6 ; Psalm 89,20 ; Psalm 121,1-2 ; Psalm 124,87 ; Psalm 146,5 ; Hosea 13,9 . Nur in unserem Bibelvers sowie in Jesaja 30,5 bezeichnet es die Hilfe, die von Menschen kommt.

Von daher kann das Wort "Hilfe" keine abwertende Bedeutung haben oder aussagen, die "Hilfe" sei weniger wert als die Person, der geholfen wird.

Das hebräische Wort, das deutsche Bibeln mit "die ihm entspricht" oder "die zum ihm paßt" übersetzen, lautet nägäd. Es meint eine Entsprechung, ein Gegenüber. Nägäd meint, daß etwas einer anderen Sache oder - wie hier - Person entspricht. Die Frau ist also eine Hilfe, die dem Mann entspricht.

Gott hat den Menschen so geschaffen, daß er am besten gemeinsam handelt, nicht alleine. Er ist darauf angewiesen, daß er von einem anderen Förderung erhält und Beistand. Dieser andere ist ihm dabei ein Gegenüber, eine Entsprechung auf Augenhöhe (und weil Gott uns eine Hilfe auf Augenhöhe sein will, uns entsprechen will, uns in allen Dingen gleich sein will, wird er auch Mensch, wird er uns in Jesus zu einem Gegenüber - siehe Philipper 2,6-11 ).

Einen Menschen, der einem eine solche Hilfe ist, behandelt man gut, man begegnet ihm voller Respekt und erweist ihm Liebe. Man sieht in ihm keinen Diener, keinen Sklaven, sondern liebt ihn wie sich selbst (siehe Epheser 5,25-32 ).

1. Mose 2,18-20 wertet die Frau also nicht gegenüber dem Mann ab, sondern beinhaltet die Forderung an den Mann, seine Frau so zu behandeln, wie es einer solchen Hilfe zukommt.